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Die Ritter von Pflugk auf Großzschochers Schloss
In der Chronik des Dorfes berichtet
ein Augenzeuge, der zu Fastnacht 1398 das Schloß besuchte:
Die Pflugke waren ein umtriebiges und aufstrebendes Geschlecht, das von der Röm. Kaiserl. Majestät in den Grafenstand gehoben wurde. Man begleitete Positionen wie „hochbestallte Oberhofmarschälle" und "Geheime Räte". Der 1499 in Eythra geborene Julius Pflugk wurde sogar Bischof zu Naumburg und Zeitz. Das der Kohle zum Opfer gefallene Eythra gilt übrigens als die letzte Katholische Kirchengemeinde Sachsens. Natürlich gab es in dieser Familie auch schwarze Schafe. So verfielen die Belgershainer Pflugke dem Raubrittertum. Ähnlich spektakulär ist die öffentliche Hinrichtung im Oktober 1537 des Moritz von Pomßen (Sohn von Hannß Pflugk dem Jüngeren auf Großzschocher/Windorf) auf dem Marktplatz zu Leipzig. Moritz war oft in Leipzig. Er studierte da und hatte eine Liebesaffäre mit der Frau des Hüters Christoph Weiß. Beim Ehebruch von diesem überrascht, so warf die Justiz Moritz vor, habe er den Ehemann erschlagen und während der noch in seinem Blute lag, „ein weiteres mal bei Ihr geschlafen". Die Ehefrau habe den Mord erst am nächsten Tage gemeldet. Zwar gesteht Moritz von Pflugk ein, dass er „mit ihr wohl 20 mal zu tun gehabt und auch nach der Tat mit ihr Unzucht getrieben", den Mord wollte er aber keineswegs begangen haben. Viel mehr beschuldigte er den Bruder der Frau, was ihm aber nicht geglaubt wurde. Die Zeit der Pflugke war 1600 in Großzschocher abgelaufen. Der Besitz ging für die nächsten 100 Jahre an die Herren von Dieskau, von römischen Rittern abstammende Edelleute. Die Dieskaustraße (zwischenzeitlich Straße des Komsomol) gibt es hier wieder, eine Pflugkstraße (heutige Giordano-Bruno-Straße) hatte Großzschocher zwischen 1928 und 1968. Ein Herr, der zumindest den Bezug des Namens zu diesem alten Adelsgeschlechts hat, Hans-Jürgen Pflug, lebt bei Göttingen und durchforscht deren Geschichte - www.pflug.net. Bei den umfangreichen Recherchen hat er z.B. herausgefunden, dass „Elisabeth Pflug aus dem Hause Zschocher", die Urgroßmutter der Catharina v. Bora, Martin Luthers Ehefrau ist.
Das Ende von Großzschochers Schloss Anfang der 60er Jahre. Der alte Schlosspark in Großzschocher hieß schon eine Zeit lang „Pionierpark" und war das Jagdrevier der Jungs aus der Region um die Wöllnerstraße. Gerd, Wolfgang, Jörg, Bernd und noch einige andere hatten einen neuen Abenteuerspielplatz für sich entdeckt, der voller Spannung und Geheimnisse war - die Schlossruine am Ende der Huttenstraße. Im letzen Weltkrieg ließen die Bomben nicht mehr viel übrig. Es gab hier an dieser Stelle einen provisorischen Kindergarten, bis die baufälligen Reste wegen Einsturzgefahr abgerissen wurden. Stehen blieben einige Kellergewölbe, verschlossen durch eine eiserne Gittertür. Eins der schmalen Kellerfenster aber gab den Zugang frei. Zunächst fand eine gründliche Untersuchung statt. Neben ein paar alten Spielsachen, einem Schaukelpferd und einer Menge Presssteine (Torfwürfel die zum Heizen benutzt wurden), war in den drei Gewölben nicht viel zu entdecken. Oder doch? Dort im hintersten Raum endete unten am Boden ein im Durchmesser ca. 25 cm großes Rohr. Es war zu spüren, dass dieses irgendwohin führen musste und eine Taschenlampe brachte Gewissheit. Da war noch ein weiterer Raum. Was mochte dort zu finden sein? Gehört hatten die Jungs vom alten Schloss und seinen früheren Besitzern so manches. Und immer wieder war da die Legende über den unterirdischen Gang, der vom Schloss hoch zu Kirche geführt haben sollte. Manche wussten, der Zugang befinde sich hinter dem Altar. Der Pfarrer aber sagte, das wäre Unsinn. Da war dann noch ein Bericht von den Schachtarbeiten beim Bau des Eckhauses Buttergasse/Huttenstraße um 1913. Die Reste eines Ganges wären dabei zum Vorschein gekommen. Verbrieft ist aber nichts. Trotzdem, dachten die Jungs, vielleicht findet man ja auch alte Bleirohre zum Figuren gießen oder gar unentdeckte Hinterlassenschaften der letzten Besitzer, der Grafen von Wedel? Von denen wusste man auch nur wenig, denn zum Gelände um das Schloss hatten vor dem Krieg nur die Bediensteten Zugang. Bei verschiedenen Gelegenheiten sah man einen Vierspänner durch den Ort fahren und die beiden Töchter (Betti und Viktoria) turnten im Verein Triftstraße. (Übrigens lebt Gustav Graf von Wedel heute noch in Frankfurt am Main und war erst Sept. 2001 zu Besuch in Großzschocher). Die Jungen gruben einen mehr als 4 Meter langen Gang über dem Rohr entlang bis der Durchbruch zu einem weiteren Gewölbe gelang. Aber nur ein kleines Stück Bleirohr und kein geheimer Gang konnte entdeckt werden. Eine große Enttäuschung. Unter der breiten Treppe, die zum Park führte, gab es einen zweiten vergeblichen Versuch. Schade. Ein paar Jahre später sprengten die russischen Besatzer die restlichen Gewölbe vom Schloss. Was blieb ist ein unscheinbarer Hügel, der vom Glanz früherer Zeiten leider nichts mehr vermittelt.
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