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   Bergbau um Großzschocher

Die Tatsache, dass die Braunkohlentagebaue bis nahe an Großzschocher heranreichen, ist hinlänglich bekannt. Mussten die Leipziger zu DDR-Zeiten doch leidvoll erfahren, dass unter ihrem gesamten Stadtgebiet Kohle liegt.  Aber der Boden dieser Region wurde in der Vergangenheit auch nach anderen Rohstoffen durchsucht.

So gab es nicht wenige Ton-, Lehm- und Sandgruben im Ortsgebiet. Nach  Sand oder Kies  wurde hier noch bis vor wenigen Jahren gebaggert. Die Kiesgrube zwischen Großzschocher und Knauthain ist ein letzter Beweis für diese Tatsache. Wenn man den Berichten aus früheren Zeiten folgt, muss zwischen Groß- und Kleinzschocher eine höhere Erhebung gelegen haben, als man heute dort vorfindet. Auch dort gab es Sandvorkommen, die längst abgebaut sind.
Noch bis in die 50er Jahre fuhren in der Küchenholzallee Loren mit  Lehm  zur ebenda gelegenen Ziegelei. Das letzte Abbaugebiet lag nahe der Weißen Elster bei der Bahnlinie nach Markkleeberg. Irgendwann wurde die Produktion eingestellt und die Grube verfüllt. Später nutzte man diese "Ausfülle" als Mülldeponie und heute erhebt sich da Großzschochers "Berg". Leider konnte ich von der alten Grube oder auch der Lorenbahn keine Fotos beschaffen (Hilfe ist willkommen).

   

 

 

Wer weiß aber schon, dass es in Großzschocher auch Steinbrüche gab. Vier oder fünf könnten es gewesen sein, von denen es immerhin noch zwei gibt.
Einer ist im Volksmund als "Teufelsschlucht" bekannt und liegt nahe der Meyer'schen Häuser. Dieser Grauwackefelsen ist heute durchaus etwas besonderes. Es gibt, wie zu lesen ist, nicht viele aufgelassene Steinbrüche dieser Art.

     
 


Der zweite Grauwackesteinbruch ist nicht zugänglich, da er in den benachbarten Gärten liegt. Wie man erkennen kann, ist das Gestein von der Vegetation überwuchert.

 

 




 

 

 

Ingolf G.S. Bauer

28.12.2002    

Die Ritter von Pflugk auf Großzschochers Schloss

Schloß zu Großzschocher ca. 1920


Wie die Geschichte des Schlosses zu Großzschocher ein Ende hatte, so gab es auch einen Anfang und dieser geht zurück in das 13. Jahrhundert. Die Ritter von Krolewitz waren wohl die Erbauer des ersten Schlosses. Aber bereits 1349 nahmen die „stolzen Ritter von Pflugk in dem altschriftsässischen Rittergute Großzschocher ihren Hauptaufenthalt" (Möbius, Bilder aus Großzschochers Vergangenheit). Die Pflugke saßen fast  250 Jahre auf Großzschocher und Windorf  und nicht nur hier sondern an vielen Orten wie Knauthain, Eythra, Pomßen, Rötha, Wiesenburg und Stehla (letzten beiden sehenswert) .

In der  Chronik des Dorfes  berichtet ein Augenzeuge, der zu Fastnacht 1398 das Schloß besuchte:  
  Inmitten einer ungefügen Mauer dehnt sich der Herrenhof aus. Durch das Hoftor, an dem die Hütten der Hofhunde sind, tritt man ein... Das Herrenhaus ist ein stattlicher, saalähnlicher Holzbau, zu dessen Eingang einige Stufen hinaufführen. Durch die Tür aus Eichenpfosten tritt man in einen großen Raum, dessen Wände verzierte Balken und dessen Decke die Sparren des Daches bilden... An den Seiten sind Verschläge und geschlossene Räume, darunter ein Badehaus, und die Kemenaten angebracht, das sind heizbare Zimmer ohne Herd... Neben diesem Herrenhaus steht eine große Halle mit einer Rampe und Stufen. Sie dient zur gastlichen Bewirtung der Gäste und heißt Palast..."

Die Pflugke waren ein umtriebiges und aufstrebendes Geschlecht, das von der Röm. Kaiserl. Majestät in den Grafenstand gehoben wurde. Man begleitete Positionen wie „hochbestallte Oberhofmarschälle" und "Geheime Räte". Der 1499 in Eythra geborene  Julius Pflugk  wurde sogar Bischof zu Naumburg und Zeitz. Das der Kohle zum Opfer gefallene Eythra gilt übrigens als die letzte Katholische Kirchengemeinde Sachsens.

Natürlich gab es in dieser Familie auch schwarze Schafe. So verfielen die Belgershainer Pflugke dem Raubrittertum. Ähnlich spektakulär ist die öffentliche Hinrichtung im Oktober 1537 des Moritz von Pomßen (Sohn von Hannß Pflugk dem Jüngeren auf Großzschocher/Windorf) auf dem Marktplatz zu Leipzig. Moritz war oft in Leipzig. Er studierte da und hatte eine Liebesaffäre mit der Frau des Hüters Christoph Weiß. Beim Ehebruch von diesem überrascht, so warf die Justiz Moritz vor, habe er den Ehemann erschlagen und während der noch in seinem Blute lag, „ein weiteres mal bei Ihr geschlafen". Die Ehefrau habe den Mord erst am nächsten Tage gemeldet. Zwar gesteht Moritz von Pflugk ein, dass er  „mit ihr wohl 20 mal zu tun gehabt und auch nach der Tat mit ihr Unzucht getrieben", den Mord wollte er aber keineswegs begangen haben. Viel mehr beschuldigte er den Bruder der Frau, was ihm aber nicht geglaubt wurde.

Die Zeit der Pflugke war 1600 in Großzschocher abgelaufen. Der Besitz ging für die nächsten 100 Jahre an die  Herren von Dieskau, von römischen Rittern abstammende Edelleute. Die Dieskaustraße (zwischenzeitlich Straße des Komsomol) gibt es hier wieder, eine Pflugkstraße (heutige Giordano-Bruno-Straße) hatte Großzschocher zwischen 1928 und 1968.

Ein Herr, der zumindest den Bezug des Namens zu diesem alten Adelsgeschlechts hat, Hans-Jürgen Pflug, lebt bei Göttingen und durchforscht deren Geschichte - www.pflug.net.    Bei den umfangreichen Recherchen hat er z.B. herausgefunden, dass  „Elisabeth Pflug aus dem Hause Zschocher", die Urgroßmutter der Catharina v. Bora, Martin Luthers Ehefrau ist.

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Das Ende von Großzschochers Schloss
 

Anfang der 60er Jahre. Der alte Schlosspark in Großzschocher hieß schon eine Zeit lang „Pionierpark" und war das Jagdrevier der Jungs aus der Region um die Wöllnerstraße. Gerd, Wolfgang, Jörg, Bernd und noch einige andere hatten einen neuen Abenteuerspielplatz für sich entdeckt, der voller Spannung und Geheimnisse war - die Schlossruine am Ende der Huttenstraße.

Im letzen Weltkrieg ließen die Bomben nicht mehr viel übrig. Es gab hier an dieser Stelle einen provisorischen Kindergarten, bis die baufälligen Reste wegen Einsturzgefahr abgerissen wurden. Stehen blieben einige  Kellergewölbe,  verschlossen durch eine eiserne Gittertür. Eins der schmalen Kellerfenster aber gab den Zugang frei. Zunächst fand eine gründliche Untersuchung statt. Neben ein paar alten Spielsachen, einem Schaukelpferd und einer Menge Presssteine (Torfwürfel die zum Heizen benutzt wurden), war in den drei Gewölben nicht viel zu entdecken. Oder doch? Dort im hintersten Raum endete unten am Boden ein im Durchmesser ca. 25 cm großes Rohr. Es war zu spüren, dass dieses irgendwohin führen musste und eine Taschenlampe brachte Gewissheit. Da war noch ein weiterer Raum. Was mochte dort zu finden sein?

Gehört hatten die Jungs vom alten Schloss und seinen früheren Besitzern so manches. Und immer wieder war da die Legende über den  unterirdischen Gang,  der vom Schloss hoch zu Kirche geführt haben sollte. Manche wussten, der Zugang befinde sich hinter dem Altar. Der Pfarrer aber sagte, das wäre Unsinn. Da war dann noch ein Bericht von den Schachtarbeiten beim Bau des Eckhauses Buttergasse/Huttenstraße um 1913. Die Reste eines Ganges wären dabei zum Vorschein gekommen. Verbrieft ist aber nichts. Trotzdem, dachten die Jungs, vielleicht findet man ja auch alte Bleirohre zum Figuren gießen oder gar unentdeckte Hinterlassenschaften der letzten Besitzer, der  Grafen von Wedel?

Von denen wusste man auch nur wenig, denn zum Gelände um das Schloss hatten vor dem Krieg nur die Bediensteten Zugang. Bei verschiedenen Gelegenheiten sah man einen Vierspänner durch den Ort fahren und die beiden Töchter (Betti und Viktoria) turnten im Verein Triftstraße. (Übrigens lebt Gustav Graf von Wedel heute noch in Frankfurt am Main und war erst Sept. 2001 zu Besuch in Großzschocher).

Die Jungen gruben einen mehr als 4 Meter langen Gang über dem Rohr entlang bis der Durchbruch zu einem weiteren Gewölbe gelang. Aber nur ein kleines Stück Bleirohr und kein geheimer Gang konnte entdeckt werden. Eine große Enttäuschung. Unter der breiten Treppe, die zum Park führte, gab es einen zweiten vergeblichen Versuch. Schade.

Ein paar Jahre später sprengten die russischen Besatzer die restlichen Gewölbe vom Schloss. Was blieb ist ein unscheinbarer Hügel, der vom Glanz früherer Zeiten leider nichts mehr vermittelt.


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Von Hartmannsdorf bis Kleinzschocher

                              „Baden mit und ohne" ...

....sang Wencke Myhre in den 70er Jahren. Aber so locker sah man das nicht zu allen Zeiten. Man muss sich nur an die hoch geschlossenen Anzüge erinnern, die unsere Großmütter und Großväter noch getragen haben oder an die Regelungen in den Badeanstalten, die für Männlein und Weiblein getrennte Besuchszeiten vorsahen. Die Möglichkeiten, sich in den Sommermonaten eine Abkühlung zu verschaffen, konzentrierte sich im Wesentlichen auf das   „Baden in fließenden Gewässern".

Da das „wilde" Flussbaden nicht ohne Gefahr war, wurden schon Anfang des 20. Jahrhunderts an geeigneten Stellen Bäder eingerichtet. In Knautkleeberg am Krummen Graben findet man noch Reste vom Fortunabad (Eröffnung 1920). Knauthain hatte noch früher ein Bad am Mühlgraben, wie auch Großzschocher. Der „Badeweg" durch die Gärten entlang der Elster weist darauf hin. („Hinter den Pappeln ...", ein sehr empfehlenswertes Buch über die Ortsteile südlich Windorfs vom Pro Leipzig e.V.)

Ich kann mich gut erinnern, dass wir als Kinder am Durchbruch, an den beiden Elsterwehren, an der Pferdeschwemme und später dann meist an der sogenannten  „Bogenbrücke"  baden waren. Letztere war die Eisenbahnbrücke zwischen Großzschocher und Markkleeberg. Kiesgrube zwischen Großzschocher und Knauthain (Foto: Beyer)Die Holzpfeiler dieses alten Bauwerks standen im Wasser. Deshalb gab es davor Eisbrecher, schiefe Ebenen, die die Pfeiler vor Treibeis schützten und auf denen man gut in der Sonne liegen und wieder trocken werden konnte. Die Wassertiefe reichte sogar aus , dass einige Wagemutige vom Brückenbogen springen konnten (ca. 8m hoch). In den sechziger Jahren kamen wir dann mit immer schwärzeren Bärten aus dem Wasser. Die heute kultivierte Kiesgrube zwischen Knautkleeberg und Großzschocher war eine gute Alternative, was die Wasserqualität anging. Das Freibad in Kleinzschocher oder der 1936 fertiggestellte Elsterstausee boten weitere Möglichkeiten.


Wasserstellen waren in früherer Zeit aber nicht nur dem Badevergnügen vorbehalten. Die Pferdeschwemme an der Elster (Badeweg unweit der Brücke) hatte noch eine besondere Bestimmung: Hier wurde das
                                    Osterwasser
                                                                            geschöpft.

Fernseher gab es um 1900 nicht. Spaß machte man sich also selber. Die drei Söhne von Gottfried Riemer waren ohnehin Spaßvögel und Ostern stand an. Die Mädchen und jungen Frauen machten sich, wie jedes Jahr am Ostermorgen, mit Krügen auf den Weg zur Pferdeschwemme, um Osterwasser zu holen. Ein fließendes  Wasser sollte es sein. Man hatte gegen den Strom zu schöpfen und alles nach Hause zu bringen, ohne ein Wort dabei zu reden. Osterwasser macht die Frauen schön.  Es schützt vor Krankheit, damit getaufte Kinder sollten intelligenter werden, im Hause versprüht, vertreibt es Ungeziefer und in der Osternacht kann es sich sogar in Wein verwandeln.

An der ,Pferdeschwemme' wurden früher die Pferde gesäubert.

Dieses mal kam auch Kurt zur Elster. Seine Brüder und einige Neugierige platzierten sich erwartungsvoll auf der anderen Flussseite. Kurt hatte sich wie eine Vogelscheuche angeputzt und zog einen alten Leiterwagen hinter sich her mit einem geflochtenen Spreukorb darin. Die zum  Osterwasser holen   gekommenen Frauen, bissen sich schon bei seinem Anblick auf die Lippen aber Lachen verdarb wie das Reden den ganzen Effekt. Kurt hinkte die letzten Meter und schnitt die verwegensten Gesichter. Das brachte schließlich die ersten aus der Fassung. Sie konnten sich das Lachen nicht mehr verkneifen. Als Kurt dann an der Elster angelangt war, schob er zwei Frauen beiseite und schöpfte  tot-ernst mit seinem Hut Wasser in den Spreukorb. Der konnte es natürlich nicht halten, was unseren Schelm in seinem Bemühen nicht aufhielt, bis die letzten Standhaften herausplatzten. Aus Rache warfen sie Kurt mit vereinten Kräften in den kalten Fluss, denn sie mussten jetzt ein ganzes Jahr lang auf neues Osterwasser warten. Oh weh, ein ganzes Jahr lang warten auf die Schönheit und all die anderen kleinen Wunder... 

Ingolf G.S. Bauer

26. Sept. 2002